Probiers mal mit: Faschierter Braten
Hackbraten, Wiegebraten, faschierter Braten, falscher Hase, Heuchelhase, schwedischer Hase, böhmischer Hase oder Igelbraten – nennt ihn, wie ihr wollt: Wichtig ist hierbei das Ergebnis.
Ich bin mir sicher, euch geht es nicht anders als mir, wenn ich euch verrate, dass es Gerichte gibt, die man als Kind einfach nicht ausstehen konnte. Für mich persönlich hat dieses Stigmata zum Beispiel lange Zeit der Faschierte Braten mit sich rum tragen müssen. Erst in meinen späten Zwanzigern (zum Glück ist das noch nicht lange her), habe ich mich dann wieder einmal an ein entsprechendes Rezept getraut, und fand es überraschender Weise ziemlich ziemlich lecker. Wenn ich so recht darüber nachdenke, fällt es mir auch ziemlich schwer, einen plausiblen Grund zu finden, warum ich dieses Festmahl so lange Zeit komplett von meinem Speiseplan gestrichen hatte.


Ich kann es mir nur so erklären, dass sich mit dem Faschierten Braten in meine Synapsen ein kleines Trauma eingebrannt hat, da Mutti oft versucht hat, diese unfassbare Menge an gefärbten Eiern, die man von Familie und Freundne zu Ostern bekommt im Hackbraten zu verstecken. Hmmm – ganz ehrlich, mit einem Ei, dass quasi 2 Mal temperaturtechnisch an den Endgegner heran geführt wurde, kann und werde ich nie etwas anfangen können (Grüße gehen an dieser Stelle an meinen Papa raus :D).
Gefeiert und Begeehrt: King of Saftigkeit
Offenbar erfreut sich der Faschierte Braten nicht nur bei mir gesteigerter Beliebtheit, sondern in ganz vielen europäischen Ländern und auch in Amerika sind ähnliche Rezepte gern gesehen. Die vielen Vorteile dieses Gerichts, natürlich neben dem Geschmackshighlight liegen aber auch ganz klar auf der Hand.
- Kostengünstige Variante zu jeglichen anderen Braten-Varianten
- Eine umkomplizierte Vorbereitung, lässt zu jeder Zeit eine dampfende Mahlzeit aufs Teller hüpfen
- Wie bei so vielen Gerichten schmeckt der Hackbraten am nächsten Tag fast noch besser

Ich finde das Gericht vor allem deshalb so gelungen, weil man bei den Beilagen jegliche Freiheit hat. Ich kann mir von Püree, über Reis, Nudeln, hin zu allem möglichen an Gemüse wirklich viele Nebendarsteller auf dem Teller vorstellen, die den Faschierten Braten ins rechte Licht rücken. Oder es zumindest versuchen, denn die großen Bühnen-Strahler sind definitiv von Sekunde eins auf ihn gerichtet.
Obwohl der Braten, so wie ihr ihn im Rezept findet, schon durch seine Saftigkeit überzeugt, darf natürlich bei so einem Schmaus eines nicht fehlen: Sauce! Wobei, ganz so darauf versteifen möchte ich mich gar nicht, da ich auch schon kuriose Varianten gesehen habe, in welchen zum Ketchup gegriffen wurde und das Faschierte erstmal ordentlich darin ertränkt wurde, bevor es den Gabel-Express Richtung Mund genommen hat.
Wer mag kann neben Gurkerl auch ganz fein geschnittene Paprika Würfel oder Streifen in die Teigmasse geben. Hierfür ist es allerdings wichtig, dass diese tatsächlich ganz fein gehackt werden. Auch eine gute Mischung an Kräutern peppt den Teig auf und sorgt für zusätzlichen Geschmack. Man kann auch mit entsprechenden Gewürzen das ganze in eine indisch/asiatische Richtung bringen und somit das Hausmannskost Gericht etwas abwandeln.
Faschierter Braten – eine Homage an die Gemütlichkeit
Gang: für Fleischtiger4
Portionen1
Stunde30
MinutenZutaten
• 1 ½ alte Brötchen oder Semmeln
• 100ml heiße Milch
• 3 mittelgroße Gewürzgurken
• 2 Zwiebel
• 3 Knoblauchzehen
• 1 Bund Petersilie
• Ein paar Zweige Thymian
• 2 EL Zitronensaft
• 600g Hackfleisch (Rind und Schwein gemischt)
• 2 Eier
• 125ml Fleischbrühe
• 125ml Creme fine
• 1 EL Creme fraiche
• 1 TL Paprikapulver (mild)Räuchersalz, Pfeffer, Chili
1 EL ÖL
Anweisungen
- Die Semmeln in kleine Würfel schneiden und in eine Schüssel geben. Mit der heißen Milch übergießen und quellen lassen. Anschließend gut ausdrücken. Die Gewürzgurken in ganz feine Würfel schneiden. Ebenso mit Knoblauch und Zwiebel verfahren. In dem Öl Zwiebel und Knoblauch glasig dünsten und Petersilie und Thymian (fein gehackt) dazu geben. Nun aus all den eben angeführten Zutaten gemeinsam mit dem Hackfleisch die Bratenmasse herstellen. Diese gut durchkneten. Eier und Zitronensaft hinzugeben. Mit Salz, Chili und Pfeffer abschmecken.
- Den Fleischteig auf ein Backpapier geben und in diesem Einrollen. So kann man die Masse einfach zu einem Laib formen. Diesen nun auf ein gefettetes Blech platzieren (oder 2 kleinere Braten). Das Backrohr auf 180°C Umluft vorheizen. Den Braten mit etwas Öl bestreichen und auf unterer Schiene für 30 min backen. Die Fleischbrühe erwärmen und mit Creme fine, Creme fraiche und Paprikapulver, sowie Salz und Pfeffer vermengen. Diese nun die restlichen 15 Minuten 2 Mal über den Braten streichen und ansonst im Topf etwas einkochen lassen.
Kann man den faschierten Braten auch im Bratschlauch machen?
Natürlich. Auch das ist eine Möglichkeit – viel spannender ist allerdings die Frage, ob es tatsächlich noch Haushalte gibt, die solch ein Utensil zu ihrem Bestand zählen dürfen. Gesagt sei aber an dieser Stelle auch, dass es ganz bestimmt kein Muss ist ihn im Brautschlauch zuzubereiten. Allerdings hat es zwei Vorteile. Man verdreckt sich das Backrohr wesentlich weniger, als wenn es zB auf einem Blech gebacken wird. Und man schafft es beim Backen die Aromen wesentlich näher am Braten zu halten.



