Buchweizentorte: rustikal und raffiniert zugleich

Südtiroler Tradition auf dem Kuchenteller: Die Buchweizentorte

Wenn ich an meine Kindheit denke, dann tauchen erstaunlich viele Bilder von Dessertbuffets auf – und ich schwöre, es liegt nicht nur daran, dass ich als Kind schon ein kleiner „Zuckergourmet“ war. Besonders lebendig ist die Erinnerung an unsere Urlaube in Meran. Dort, in einem charmanten Hotel, gab es jeden Donnerstag ein Buffet, das mein persönliches Paradies war: Strudel in allen Variationen, Pudding und Mousse in rauen Mengen, Obstsalate, die meine Eltern mit gesundem Ernst lobten – und dann diese eine Torte, die alle anderen locker in den Schatten stellte: die hausgemachte Buchweizentorte.

Für mich war sie der heimliche Star des Abends. Während andere Kinder vielleicht auf den Pool oder die Tischtennisplatte hinfieberten, habe ich sehnsüchtig auf den Moment gewartet, an dem die Tortenhaube gelüftet wurde. Der nussige Duft, das saftige Innenleben, dazu der süße Kontrast der Preiselbeermarmelade – es war einfach ein Traum. Und ja, ich gebe es zu: Manchmal habe ich die Torte heimlich „strategisch“ angeschnitten, damit das Stück größer wirkt. Ein Kind muss Prioritäten setzen, oder?

Diese Torte war für mich nicht einfach ein Dessert, sie war ein Stück Südtiroler Seele auf dem Teller. Jedes Mal, wenn ich sie heute irgendwo sehe oder selbst backe, spüre ich ein bisschen von dieser unbeschwerten Ferienzeit. Plötzlich bin ich wieder zehn Jahre alt, sitze am Hoteltisch mit baumelnden Füßen und habe nur ein Ziel: bloß genug Platz für die Torte zu lassen.

Kann ein Stück Buchweizentorte zu groß sein?

Dass Buchweizentorte in Südtirol eine lange Tradition hat, wusste ich damals natürlich nicht. Für mich war sie einfach ein Stück Glück – und genau das möchte ich in diesem Artikel teilen: eine Kindheitserinnerung, die sich in eine kulinarische Liebeserklärung verwandelt hat.

Buchweizenmehl – nicht nur in Südtirol

Das Geheimnis einer richtig guten Buchweizentorte liegt – wie könnte es anders sein – im Mehl. Buchweizenmehl hat diesen unverwechselbar nussigen Geschmack, der Kuchen nicht nur süß, sondern auch aromatisch und tiefgründig macht. Es verleiht Gebäck etwas Erdiges, fast Rustikales – so, als würde man beim ersten Bissen direkt die Berge und Almen schmecken. Dabei ist Buchweizen gar kein echtes Getreide, sondern ein sogenanntes Pseudogetreide. Ein kleiner Querkopf also, der sich nicht in die klassische Getreidefamilie einordnen lässt, aber dafür umso spannender ist. Genau dieser Charakter sorgt dafür, dass die Südtiroler (und nicht nur die!) ihre Buchweizentorte so lieben.

Besonders spannend finde ich, dass man auch heute noch Mehl aus traditioneller Mühlenkultur bekommen kann – ganz ohne industrielle Massenproduktion. Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Lerchenmühle Wieser in Golling bei Salzburg, die seit Jahrhunderten Getreide und eben auch Buchweizen verarbeitet. Dort wird Regionalität großgeschrieben: Das Korn stammt aus der Umgebung, das Mahlen erfolgt in traditioneller Handwerkskunst, und das Ergebnis ist ein Mehl, das man schon beim Öffnen der Tüte riechen kann. Wer einmal damit gebacken hat, merkt sofort den Unterschied – es schmeckt einfach ehrlicher, kräftiger und natürlicher.

Hier gelangt ihr direkt zur Homepage: https://lerchenmuehle.at/de/

Buchweizen ist nicht nur Torte

Buchweizen ist aber längst nicht nur als Torte ein Highlight. Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, entdeckt schnell, wie vielseitig dieses besondere Mehl und Korn sein kann. In der süßen Küche lässt es sich wunderbar in Crêpes oder Palatschinken verwandeln – in Frankreich sind die berühmten „Galettes“ aus Buchweizen fast Kult. Auch Muffins, Pancakes oder Kekse bekommen durch das Mehl einen kräftigen, nussigen Unterton, der perfekt mit fruchtigen Füllungen oder Schokolade harmoniert. Und für alle, die es glutenfrei mögen, ist Buchweizen ohnehin ein echter Geheimtipp.

Herzhaft macht sich Buchweizen mindestens genauso gut. Als ganzes Korn gekocht, wird er zur Basis für Bowls oder als Beilage zu Gemüsegerichten. In Osteuropa ist „Kascha“ – ein warmer Buchweizenbrei – schon lange ein Alltagsgericht. Auch in Aufläufen, Suppen oder als Füllung für Gemüse kann er punkten. Besonders spannend ist Buchweizenmehl für hausgemachte Pasta, etwa Pizzoccheri aus dem Veltlin, oder für knusprige Brotvarianten, die nicht nur sättigen, sondern auch richtig Geschmack auf den Tisch bringen.

Dennoch ist die Buchweizentorte meine erste Wahl

Kurz gesagt: Buchweizen ist ein echtes Multitalent. Süß oder herzhaft, fein oder rustikal – er überrascht immer wieder und zeigt, dass er viel mehr kann, als „nur“ in einer Torte glänzen.

Buchweizentorte: rustikal und raffiniert zugleich

Gang: Backen
Portionen

12

Portionen
Zubereitungszeit

1

Stunde 

20

Minuten

Zutaten

  • 250g Butter
    250g Zucker
    1 Vanillezucker
    6 Eier
    250 gemahlene Haselnüsse
    250g Buchweizenmehl
    1 Päckchen Backpulver
    1 Glas Preiselbeermarmelade
    Staubzucker zum Bestäuben

Anweisungen

  • Die Hälfte des Zuckers, Butter und Vanillezucker schaumig rühren. Die Eier trennen und die Eigelb dazu geben. Die Masse ist fertig, wenn eine hellgelbe Masse entstanden ist. Die Nüsse mit Mehl und Backpulver vermischen und vorsichtig unter die Eiermasse rühren.
  • Den Backofen auf 170 Grad Umluft vorheizen und eine Springform (ca. 28 cm) einfetten.
  • Das Eiweiß mit dem restlichen Zucker steif schlagen und vorsichtig (in mehreren Etappen unter die Masse heben). In die Springform füllen und den Kuchen glatt streichen. Den Kuchen für etwa 45 Minuten backen und anschließend auskühlen lassen.
  • Zum Füllen den Kuchen ein- oder zweimal durchschneiden und mit der Preiselbeermarmelade bestreichen. Die Kuchenböden nun wieder stapeln und mit Staubzucker bestreuen.

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